ESG und die Zukunft der Immobilienfinanzierung

Barbara Riegler ist CFO bei HANDLER. Mit dem Business Circle spricht sie über den Einfluss der Taxonomie-Verordnung und die Zukunft von Immobilienfinanzierungen sowie über das Spannungsfeld zwischen schlanken Prozessen und der Gefahr von Überbürokratisierung

 

Business Circle: Sehr geehrte Frau Mag. Riegler, Sie werden am Real Estate Circle darüber sprechen, wie ESG Bankenfinanzierungen verändert. Warum ist das relevant?
Barbara Riegler: Mit dem Green Deal der Europäischen Union und der Taxonomie-Verordnung wurden ökologische, soziale und die Unternehmensführung betreffende Faktoren (gemeinsam ESG-Faktoren) implementiert. Das wirkt sich immer spürbarer auf die Finanz- und Immobilienbranche aus.

 

BC: Was ist jetzt aus Ihrer Sicht anders für Developer und Banken als noch vor 5 Jahren?
Riegler: Die Europäische Zentralbank verlangt von Banken zukünftig, dass diese bei der Vergabe von Finanzierungen Nachhaltigkeitskriterien prüfen. Neben den bisherigen Kriterien in der Branche, nämlich wie viel Rendite wirft ein Projekt ab und wie hoch ist das Risiko, rücken nunmehr weitere Kriterien in den Mittelpunkt. Wie stehen ein zu finanzierendes Projekt bzw. das dahinterstehende Unternehmen da hinsichtlich Umwelt, Soziales und nachhaltige Unternehmensführung? Es geht eben nicht mehr nur darum, ob ein Projekt profitabel ist.

Banken werden Projektfinanzierungen nur dann anbieten, wenn bestimmte ESG-Kriterien erfüllt sind.

Barbara Riegler, CFO HANDLER Gruppe

BC: Was bedeutet das für die zukünftige Finanzierung von Immobilienprojekten? Was wird sich konkret verändern?
Riegler: Ganz konkret ist davon auszugehen, dass Projektfinanzierungen zukünftig seitens Banken nur dann angeboten werden, wenn ESG-Kriterien ausreichend erfüllt sind. Außerdem wird die Höhe der Finanzierungszinsen von der ESG-Bewertung abhängen. Auf der anderen Seite wird die Nachfrage nach Gebäuden, die die ESG-Richtlinien nicht erfüllen, bald deutlich sinken. Derartige Gebäude – zumindest im Neubau – werden nur noch unter Berücksichtigung eines Preisabschlags verkauft werden können.

Im Ergebnis wird die Branche kaum interessiert sein am Development eines Immobilienprojekts, für das auf der einen Seite höhere Finanzierungskosten anfallen, auf der anderen Seite aber niedrigere Verkaufspreise angesetzt werden müssen. Nachhaltigkeit wird somit von einer lobenswerten, freiwilligen Option nicht nur zu einem Erfordernis, sondern ist wirtschaftlich schlichtweg nicht mehr wegzudenken. Aus gesellschaftlicher Sicht und für die nächsten Generationen ist das nur zu begrüßen.

Wir als Handler möchten Vorreiter sein und setzen schon seit Jahren auf Nachhaltigkeit.

Barbara Riegler, CFO HANDLER Gruppe

BC: Wie haben Sie sich bei Handler auf die abgefragten Inhalte vorbereitet?
Riegler: Zunächst geht es denke ich darum, sich klar zu werden, was gibt es denn schon alles im Unternehmen. Wir als Handler möchten Vorreiter sein und setzen schon seit Jahren auf Nachhaltigkeit – bei uns intern geclustert in ökologische, soziale und wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Aber ich denke so ziemlich jedes Unternehmen erfüllt bereits einige der Kriterien. In einem ersten Schritt geht es darum, Bestehendes zusammenzutragen. Uns und auch mir persönlich ist es ein Anliegen, einen Schritt weiterzugehen. Wir setzen uns jedes Jahr klare Nachhaltigkeitsziele und arbeiten kontinuierlich an deren Erreichung. Nur so können wir einen Beitrag für die Zukunft leisten.

 

In der Zusammenarbeit und im Austausch mit den finanzierenden Banken erscheint es sinnvoll, die bestehenden Maßnahmen entsprechend aufzubereiten und den Finanzierungspartnern schon frühzeitig zur Verfügung zu stellen. In meinem Verständnis ist es etwas anderes nur auf bestimmte Fragen des Bankenpartners zu antworten, als konkret darauf vorbereitet zu sein und relevante Maßnahmen und KPIs bereits proaktiv zu präsentieren. Bestehende Zertifizierungen, Kennzahlen zu CO2- oder Materialverbrauch, Abfallvermeidungsprogramme, Diversity-Initiativen, interne Arbeitnehmerschutzrichtlinien, Compliance-Maßnahmen, Kontrollsysteme und Riskmanagement-Tools (z.B. auch unter Berücksichtigung von Klimarisiken und -chancen) können vom Unternehmen in Anlehnung an die ESG-Kriterien frühzeitig zusammengefasst und dem Finanzierungspartner übermittelt werden.

 

Das vollständige Interview mit Barbara Riegler ist hier nachzulesen.